Birgits Kaffeetasse

Piratisches, Gemaltes und Sonstiges

WM-Fahnen, Patriotismus und Nationalismus – Piratendiskussionen

Wir diskutieren seitenlang auf Mailinglisten über die Gefahr der deutschen WM-Beflaggung. Wir bewerfen uns auf Twitter mit Statements dazu.

An diesem Punkt der Diskussion „könnten“ wir uns ja nun auch dem eigentlichen Thema zuwenden. Denn bei dem offensichtlich uns allen eigenen Ziel rechten Nationalismus aufzuhalten, ist eine Diskussion darüber welche negativen Folgen WM-Nationaler Deutschlandstolz möglicherweise haben kann in meinen Augen ein bisschen wie: „Igitt, diese offene Bauchwunde sieht echt eklig aus, zieh da mal ein T-Shirt drüber“

Sollten wir uns nicht lieber genauer damit auseinandersetzen was da passiert, wo die soziologischen Ursachen dafür liegen, wann inklusiver Nationalismus zu exklusivem Nationalismus wird? Oder damit dass der sogenannte Gruppismus die eigentliche Basis, und der Nationalismus lediglich die derzeit mehrheitlich in der Weltbevölkerung akzeptierte Form von homogener Gruppe darstellt? Dass wir als Piraten, und innerhalb der Piraten die Linken, die Sozialliberalen, die was-auch-immer nichts anderes tun als zunehmend ausgrenzenden Gruppismus zu betreiben und somit den gleichen Verhaltensmechanismen unterliegen, die einen Teil der Bevölkerung zum extremeren Nationalismus bewegen?

Sollten wir nicht lieber wieder das mit dem Fragen machen und anstatt Diskussionsraum und Zeit für Symptome zu nutzen schließlich lieber nach den Ursachen forschen? Und dabei nicht den Zeigefinger auf andere richten, sondern zuerst schauen wo wir genau das Gleiche machen, dies für uns auf die Reihe bekommen und dann damit nach außen gehen und etwas ändern?

Ich denke dass wir das können.

Ich denke, dass irgendwo im Schwarm die Einzelkompetenzen dafür liegen. Wer hat Gumplowicz gelesen, oder Rogers Brubaker: Ethnizität ohne Gruppen? Ich hätte gerne mehr Input zu den Inhalten! (gern per mail an mich)

Aus meiner Sicht ist es schlicht so, dass wir nicht weiterkommen werden, wenn wir nicht beginnen die „andere Seite“ verstehen zu wollen und ihnen in ihrer eigenen Gruppendefinition wenigstens zu unterstellen, dass sie Gründe haben die über „das sind einfach nur Vollpfosten“ hinausgehen. Denn ansonsten betreiben wir nur exklusiven Gruppismus – also wir die Guten und die Anderen die Blöden. Was, selbst wenn wir davon ausgehen wollen dass das faktisch richtig ist, dennoch in der Verhaltensstruktur die gleiche soziologische Grundlage hat wie Rechtsnationalismus – zumindest soweit meine bisherigen Recherchen gereicht haben.

Natürlich gibt es einen Unterschied.

Aber nicht alleine deswegen, weil wir ihn haben wollen. Oder uns deswegen besser fühlen.

Ich bin darüber gestolpert, als ich folgende Definition von Exklusivem Nationalismus (mit italienischem Faschismus und Nationalsozialismus als Beispiele) gefunden habe: „Als exklusiver Nationalismus oder Chauvinismus wird ein übersteigertes Wertgefühl bezeichnet, das auf die aggressive Abgrenzung von anderen Nationen zielt, die als nicht gleichwertig angesehen werden.“

Was passiert, wenn wir in diesem Satz das Wort „Nation/Nationalismus“ ersetzen durch „Gruppe“, oder „Partei“, oder „Verein“ oder „Familie“ oder „Ich“?

Nachtrag:
Ja, ich schreib noch meine Gedanken zu Gruppismus. Bin derzeit noch am Recherchieren und damit beschäftigt mir das Ganze in verständliches Deutsch zu übersetzen 😉

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